Geschichte des Cristo Redentor
Die Idee zur Errichtung eines religiösen Denkmals auf dem Gipfel des Morro do Corcovado geht auf den katholischen Geistlichen Pedro Maria Boss zurück, der im Jahre 1859 Prinzessin Isabel von Brasilien ein derartiges Projekt unterbreiten liess. Mit der Ausrufung der Republik und der damit einhergehenden Trennung von Kirche und Staat hatte die Idee zunächst das Nachsehen, bis sie mit dem Bau der Zuckerhut Seilbahn 1912 wieder auflebte und sich schliesslich anlässlich des 100.Jahrestages der Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal in den frühen 1920er Jahren konkretisierte.

Eine Petition mit über 20.000 Unterschriften erreichte die Genehmigung für den Bau einer Christus Statue auf dem Corcovado, gefolgt von der feierlichen Grundsteinlegung am 4. April 1922. Die ersten Entwürfe des Architekten Heitor da Silva Costa zeigten einen Christus mit einem Kreuz in der Linken einer Weltkugel in der Rechten. Dieser Vorschlag wurde später zu Gunsten des heutigen Designs wieder verworfen. Die Tradition besagt, die Cariocas hätten die Weltkugel in den öffentlich ausgestellten Zeichnungen binnen kürzester Zeit in einen Fussball uminterpretiert, was die Kirche skeptisch gestimmt haben soll. Die zündende Idee zu dem Entwurf einer durch ihre ausgebreiteten Arme ein weithin erkennbares Kreuz symboliserenden Statue kam Silva Costa bei Anblick einer 1922 auf dem Corcovado montierten Radioantenne. 

Wenige Wochen nachdem 1923 Silva Costa zusammen mit dem Maler Carlos Oswald bei einer Auschreibung als Sieger hervorgangen waren, wurde mit dem Sammeln von Spendengeldern begonnen. 1924 begab sich Silva Costa auf Suche nach einem Bildhauer und einem Statiker nach Europa und wurde nach mehreren Monsten in Paris fündig. Der Ingenieur Albert Caquot übernahm die statische Kalkulation der Statue und der polnisch-französiche Bildhauer Paul Landowski wurde mit der Modellierung nach Zeichnungen von Carlos Oswald betraut. Bei der Anfertigung der Hände, die ebenso wie der Kopf in Originalgrösse in Gips modelliert und später in Brasilien gegossen wurden, stand die brasilianische Künstlerin Margarida Lopes de Almeida Modell. Es wird angenommen, dass die für die Statue so charakteristischen Art Deco Elemente während Silva Costas Aufenthalt in Paris in das Werk einflossen. 

Die Montagearbeiten auf dem Morro do Corcovado, unter Leitung der Ingenieure Pedro Vianna da Silva und Heitor Levy, begannen 1926 und dauerten bis Ende 1931. Die seit 1884 existierende Corcovado Bahnlinie erwies sich hierbei als unschätzbare Hilfe. Erstaunlicherweise ereigneten sich während der gesamten 5 jährigen Bauzeit in unmittelbarer Nähe des fast 700 Meter tiefen Abgrund des Corcovado und bei regelmässigen starken Windböen keine Todesfälle. 1928 rückte man von der ursprünglichen Idee einer Metallstatue im Stil der New Yorker Freiheitsstatue ab und entschied sich für eine Stahlbetonkonstruktion mit einem wetterfesten Belag aus Speckstein. An der Erstellung des hierzu nötigen Mosaiks aus Millionen von zentimetergrossen Specksteindreiecken, das zunächst auf Stoff geklebt und anschliessend auf die Skulptur aufgebracht wurde, arbeiteten hunderte freiwilliger Frauen von Rio de Janeiro über mehrere Jahre.

Die feierliche Einweihung des Cristo Rendentor erfolgte am 12. Oktober 1931, in Gegenwart des Kardinals von Rio de Janeiro und Präsident Getúlio Vargas. Der brasilianische Medienzar Assis Chateaubriand hatte zusammen mit dem ilalienischen Kurzwellenpionier Guglielmo Marconi geplant, die Beleuchtung der Statue mittels eines aus Italien ausgesandten Funksingals zu aktivieren. Das Wetter spielte jedoch nicht mit und die Schalthebel mussten manuell umgelegt werden. 1932 erhielt der Bau eine erweitere Beleuchtung, 1937 gesetzlichen Denkmalschutz und 1942 eine neue Zufahrtsstrasse. 1965 wurde bei einem Besuch von Pabst Paul VI. erneut die Beleuchtung per Funk aus Rom angeschaltet, diesmal erfolgreich. 1980 erfuhr der Redentor anlässlich einer bevorstehenden Visite von Pabst Johannes Paul II eine Generalüberholung. Seit 1990 geniesst die Christusstatue vermehrt Zuwendungen von Staat, Medien und Sponsoren. Intensive Reformen und Verbesserungen wurden seitdem vorgenommen, unter anderem die Implementation von Aufzügen, Rolltreppen und Aussichtsplattformen im Jahre 2003. Anlässlich seines 75. Jahrestages im Jahre 2006 wurde der Cristo Redentor zum offiziellen katholischen Wallfahrtsort erklärt und 2007, im Rahmen einer weltweiten Abstimmung im Internet zu einem der sieben Weltwunder der Neuzeit gewählt.